Neulich hat mal jemand getwittert: „Wir haben kein Social-Media-Konzept, wir haben ein Kommunikationskonzept.“ Das unterschreibe ich zu hundert Prozent.

by Johannes on 7. Februar 2011

Im deutschen Social Web und in der Kommunikationsszene kennt man sie vor allem als PR-Doktor – so der Name ihres Blogs. Auch auf Twitter findet man sie unter PR_Doktor. Kerstin Hoffmann ist Kommunikationsberaterin und Text-Expertin. Sie beherrscht die gesamte Klaviatur der PR und berät Kunden bei der Konzeption und Aufstellung ihrer Unternehmenskommunikation, welche heutzutage längst nicht mehr nur aus Pressemitteilungen besteht. Gerade die PR und die Corporate Communications in Verbindung mit Social Media sind ihre Spezialität. Seit einiger Zeit lesen wir einander auf Twitter und Facebook. Jetzt war es mal an der Zeit, Kerstin die eine oder andere Frage zu stellen…

Johannes: Hallo Kerstin, das Jahr 2011 ist noch jung. Was wünschst Du Dir beruflich, bzw. wenn Du es uns verraten magst, privat?

Kerstin: Beruflich steht für mich jetzt die nächste Phase an. Nachdem ich mich ja erst vor gut drei Jahren nach längerer Festanstellung wieder selbstständig gemacht habe, ist es mit dem Blog und dem Kommunikationsmix drumherum ziemlich schnell ziemlich gut abgegangen. Jetzt läuft das Ganze stabil: nur Wunschkunden, sehr interessante Projekte. Ich möchte gerne in den nächsten Monaten mein Buch fertigbekommen und dann öfter öffentlich sprechen. Dann werde ich in diesem Jahr noch mehr unterwegs sein als im letzten. Allein im März bin ich zum Beispiel in Salzburg, in London und in Berlin.

Johannes: Bloggst Du eigentlich auch privat oder hast Du wie Martin Weigert von Netzwertig neulich feststellte, Dein Hobby zum Beruf gemacht?

Kerstin: Weder – noch. Das Blog ist für mich ein wesentlicher Bestandteil meiner beruflichen Kommunikation. Die auch darin besteht, wirklich Interessantes mit meinem Netzwerk zu teilen. Zugleich ist mein eigenes Büro sozusagen das Versuchslabor für alles, was ich dann mit meinen Kunden erarbeite. Privat habe ich keinerlei Mitteilungsdrang. Im Gegenteil: Ich unterscheide sehr zwischen persönlich und privat. Ich kommuniziere sehr persönlich und – hoffentlich! – authentisch. Über mein Privatleben dagegen möchte ich nichts im Netz lesen. Warum auch? So interessant ist das wirklich nicht und, ehrlich gesagt, kann ich bis heute nicht nachvollziehen, was andere zu solchen Nabelschauen treibt.

Johannes: Dein Portfolio als Kommunikations-Expertin ist umfangreich: Was steht dabei für den Kunden bei Dir im Vordergrund? Was bildet den Kern Deiner Expertise?

Kerstin: Neulich hat mal jemand getwittert: „Wir haben kein Social-Media-Konzept, wir haben ein Kommunikationskonzept.“ Das unterschreibe ich zu hundert Prozent. Es geht darum, Konzepte und Strategien zu entwickeln, die pragmatisch sind und funktionieren – und diese dann auch stringent umzusetzen. Ich denke, ich kann ganz gut Unternehmen „fühlen“. Dazu habe ich die hard skills sowie einen guten Überblick über die Medien und Werkzeuge, um solche Prozesse aufzusetzen und zu begleiten. Meine große Leidenschaft gilt nach wie vor dem Schreiben und Texten. Das gebe ich wirklich nur dann ab, wenn meine Zeit es gar nicht mehr anders erlaubt.

Johannes: Eine äußerst beliebte Frage in Interviews ist, zu fragen, was der große Trend im neuen Jahr sein wird. Ich probiere es jetzt mal anders: Was kam Deiner Meinung in Sachen Social Media bei Unternehmen in 2010 in Bezug auf moderne (Unternehmens-) Kommunikation zu kurz? Sind es eher die Skills oder das grundlegende Verständnis für das heutige Internet?

Kerstin: Also, die total relevante und seriöse Prognose für 2011 habe ich ja sowieso schon im Dezember abgegeben;) Ansonsten kann ich die Frage gar nicht pauschal beantworten. Die einen machen’s gut, die anderen weniger. Die einen haben’s verstanden, die anderen nicht. Mit den ersten arbeite ich gerne, die anderen kommen erst gar nicht zu mir. Da hat sich aber in den letzten 20 Jahren, also so lange ich im Geschäft bin, nicht viel geändert. Nur die Medien und Kommunikationswege sind natürlich zum Teil andere. Insgesamt freut mich die Entwicklung, dass Unternehmen immer offener werden auch für neue und andere Ansätze. Dass dann das Pendel auch erst einmal in die andere Richtung schwingt, ist ganz normal.

Johannes: Welche Erfahrung im Umgang mit Kunden machst Du? Wollen Unternehmen eher, dass Du für sie die Kanäle bespielst oder wollen sie das in der Regel selbst bewerkstelligen, nachdem Du Ihnen bei den ersten Schritten geholfen hast?

Kerstin: Sowohl als auch. Interessant ist für mich eher die Bandbreite der Anforderungen. Manche haben ganz konkrete Vorstellungen und rufen gezielt von Anfang an Einzelleistungen ab. Deutlich öfter  ist es aber so, dass jemand mit ganz konkreten Vorstellungen kommt, etwa „Wir brauchen jetzt eine Facebook-Fanpage“ (oder ein Blog oder ein Konzept für Direktmarketing, das ist fast beliebig). Und dann stellen wir im ersten Gespräch fest, dass es erst einmal um ganz andere Dinge geht. Beispielsweise darum, solide die eigenen Ziele, die gewünschten Bezugsgruppen und den Kundennutzen zu erarbeiten. Wo kein Konzept ist, reißt es auch keine Maßnahme heraus. – Solche Workshops in Unternehmen machen mir besonders viel Spaß, weil dabei viel Klärung geschieht. Um nach außen zu bringen, was man besonders gut kann, muss man es erst einmal für sich selbst sehr klarhaben. Anschließend gibt es dann diejenigen, die sich nur punktuell Unterstützung holen und die anderen, die fast alles an mein Team und mich outsourcen.

Johannes: Warum spielt das Social Web eine immer wichtigere Rolle für die heutige Unternehmenskommunikation? Immerhin könnte man ja mittlerweile auf den Gedanken kommen, dass es gar nicht mehr ohne geht…

Kerstin: Kommunikation geht auch nicht mehr ohne Telefon, oder? Das sind eben die Medien der Zeit. Die Qualität eines Konzeptes und einer Strategie hängt von anderen Faktoren ab. Das heißt aber auch, dass nicht jeder alles haben muss. Wer als Berater pauschal jedem Kunden ein Blog, einen Twitter und eine Facebook-Page aufdrückt, handelt in meinen Augen fahrlässig; wer sich den neuen Entwicklungen verschließt und sie nicht zumindest kennt und ausprobiert, ebenfalls.

Johannes: Zu guter Letzt mit der Bitte um eine Antwort in 140 Zeichen a la Twitter: Wenn Dich jemand fragt, was das Social Web ist, was antwortest Du ihm?

Kerstin: Eine Vielzahl von Medien und Plattformen, die von den Inhalten, Netzwerk-Qualitäten und Werten derjenigen lebt, die sich hier engagieren.

Johannes: Vielen Dank Kerstin, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast. Und da Du ja hier in Düsseldorf arbeitest, würde ich mich sehr freuen, Dich demnächst einmal zu treffen. Und dann gehen wir einen Espresso trinken.

Kerstin: Danke dir, Johannes. Ich dachte, wir sehen uns dann bei einem der nächsten Twittwoch-Treffen?

2 comments
Berthold
Berthold

Gott sei Dank sprichts mal jemand aus, bevor ich mich da - als jemand der noch nicht mal seine Ausbildung in trockenen Tüchern hat - aus dem Fenster lehne. Ich finde es nicht nur fahrlässig, Kunden ohne Beratung Social Media Präsenzen anzudrehen; wer so etwas macht hat schlicht den Beruf verfehlt. Das Web 2.0 und damit auch die PR 2.0 ist inhärent nachvollzieh- und prüfbar. Wir müssen uns selbst anhand der erreichten Erfolge messen lassen, nicht daran, wie viele Blogs und Twitter Accounts wir in den letzten Monaten aus der Taufe gehoben haben oder wie viele Tweets oder Follower wir in welcher Zeitspanne generiert haben.

Eine Kampagne ist dann erfolgreich wenn sie funktioniert; ergo sind wir nur erfolgreich wenn wir Kampagnen produzieren die die gesteckten Ziele erreichen.

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  1. [...] – Auf die Marke abgestimmte Kommunikations- und Content Marketing Strategie (abgeleitet von den Unternehmenszielen) statt Allgemeinplätze als Basis für das Engagement im [...]

  2. [...] Blogger umtreibt. Darüber hinaus hatte ich mir im Vorfeld Gedanken gemacht, was mir beim Corporate Blogging wichtig erscheint, wobei ich mich auf meine bisherigen Erfahrungen gestützt [...]

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