“Ich war zur richtigen Zeit im Internet”

by admin on 27. Juni 2012

Vor circa einem Jahr führte Johannes schon mal ein Interview mit Fashionbloggerin Anna Frost. Insbesondere im letzten Jahr hat sie bewiesen, dass sie nicht nur für sich bloggen kann, sondern auch für verschiedene Unternehmen. Und das sehr erfolgreich. Was sie Unternehmen rät und was sie erfolgreich macht, erzählte sie mir hier im Interview:

 

Yu-Ting: W&V schrieb neulich über Dich: „Es ist ein Phänomen, wie sich die 26-Jährige aus dem Nichts seit 2007 ein Standing verschaffte.” Empfindest Du das auch so?

Anna Frost: Hehe :-D Ich bin da sehr bescheiden und kann das nicht immer so einschätzen, was ich oder meine Arbeit für eine Wirkung hat. Und mir ist auch nicht immer so bewusst, wer mich zB. alles kennt oder auch erkennt. Wir sind letztens einer Social Media Berühmtheit hier begegnet und er hat mich erkannt. Das ist dann schon immer ein Hinweis darauf, wo ich gerade stehe. Und wenn ich dann mal objektiv auf das blicke, was bisher läuft oder auch gelaufen ist, dann ist es schon Wahnsinn. Aber ganz besonders ist es ein “Phänomen”, weil ich eben nicht studiert habe, was ich arbeite. Oder es in einer Ausbildung gelernt habe. Im Artikel geht es eher darum, dass ich mir mein Standing selbst aufgebaut habe, ohne dass ich einen Studien-Background hatte oder irgendwo gearbeitet oder mich an die Hand hab nehmen lassen.

 

Yu-Ting: Wie bezeichnest Du denn Deine Tätigkeit neben dem Bloggen?

Anna Frost: Ich sage, ich bin eine Internetuschi. Offiziell bin ich freie Online Redakteurin und Social Media Tante. Meine Aufgaben sind breit gefächert. Ich würde sagen, man kann es Bloggerin & Online Redakteurin nennen. Wobei dann “Bloggerin” den ganzen Kram einschließt, wie Kooperationen, Ambassador-Geschichten oder Dinge, wo ich meinen Namen und Gesicht hergebe. Die Online Redakteurin kommt dann zum Einsatz, wenn ich zum Beispiel Texte für den Bread & Butter Berlin Tradeshow Guide schreibe oder für andere Blogs schreibe, die Chefredaktion leite und so weiter.

Yu-Ting: Neben Deinen Kompetenzen, die für einen Job gebucht werden, buchen Unternehmen auch Deine Marke “Anna Frost”. Erzähl uns doch mal etwas darüber.

Anna Frost: Wer mit mir arbeitet, hat zwei Möglichkeiten: Entweder man arbeitet mit Anna Frost und somit auch Fashionpuppe und mit den Lesern und den ganzen Kanälen, die ich bespiele. Oder aber mit mir im Hintergrund. Es ist halt für viele Unternehmen sehr attraktiv, wenn jemand direkt eine Lesergemeinschaft mitbringt und eine nennenswerte Zahl an Follower & Fans auf den entsprechenden Social Media Kanälen. Oder aber man nutzt eben die Erfahrung, die ich schon mit den Kanälen habe. Ich kann dann beraten, wie mit einer großen Menge Follower oder Fans umgegangen werden muss, was die Menge interessiert und so weiter.

Yu-Ting: Wie reagieren denn Deine Leser auf die Ko-Operationen? Wie loyal sind die dann auf den neuen Kanälen?

Anna Frost: Ich bin da sehr transparent. Und das von Anfang an. Ich war eine der ersten, die bezahlte Postings im Blog hatte, weil ich schon früh mit Agenturen zusammen gearbeitet habe. Ich habe immer offen gesagt, wenn ich etwas zugeschickt bekam. Und auch neue Kooperationen kommuniziere ich. Meine Leser wissen, dass ich “mit dem Bloggen Geld verdiene”. Und dadurch, dass ich alles offen kommuniziere und meine Leser nicht verarsche oder ihnen Werbepostings unterjubele, habe ich da eine gute Position und meine Leser freuen sich für mich, wenn ich in einem Werbespot mitspiele oder für einen neuen Blog schreibe. Ich denke, so lange alles irgendwie interessant für die Leser bleibt und ich auch weiterhin offen dazu stehe, sehe ich da keine Probleme. Es gibt da andere Blogs, die derzeit große Schwierigkeiten mit Werbung und Koopearationen und ihren Lesern haben. Man darf nie vergessen, dass es die leser und Fans sind, die einen dahin bringen, wo man steht. Und wenn man ehrlich zu ihnen ist, ist alles tutti :-D Ich höre häufiger; “Anna, du bist so anders, als die anderen blogger. du antwortest und hilfst auch immer.” Das ist das Beste, was dir passieren kann!

Yu-Ting: So und jetzt Butter bei die Fische, was hat Dich so erfolgreich gemacht? ;)

Anna Frost: Hehe :-D Ich glaube, da gibt es keinen Trick 17. Ich war zur richtigen Zeit im Internet, hatte einen Blog mit einem – so höre ich immer – interessanten Schreibstil, ich blogge seit 2007 und mein Charakter oder das, was man im Internet von mir liest und sieht, ist noch immer die Anna, die man vor 5 Jahren kennen gelernt hat. Ich bin ehrgeizig und vermutlich erfülle ich ein wenig den Beobachtungsdrang von so manch einem: Man findet mich auf Twitter, Foursquare, Facebook, Instagram… Man kann mich den ganzen Tag begleiten, wenn man will. Ich gehöre mittlerweile zum Tagesablauf von einigen Menschen, wie die Daily Soap oder die Nachrichten. Und vorerst will ich daran nix ändern, sondern eher weitere Projekte starten und mich tiefer ins Internet vorbohren. :-) HAHA

Yu-Ting: Viele Marken müssen sich heutzutage umorientieren und sich dem aktuellen Markt anpassen. Musstest Du Dich auch schon mal umorientieren?

Anna Frost: Was genau meinst du?

Yu-Ting Liu: Marken wie Adidas beispielweise, bringe neue Linien raus, um neue Märkte zu erschließen, oder weil ihre alte Stilrichtung nicht mehr funktioniert…

Anna Frost: Ich funktioniere. :-D Haha!!!

Yu-Ting: Haha…gab es denn schon mal etwas, was Du probiert hast und gemerkt hast, nee das funktioniert nicht?

Anna Frost: Was nie funktioniert – und das sollten sich viele Blogger hinter die Ohren schreiben – ist: versuchen so zu sein, wie man gerne wäre, aber nicht ist! Leser merken schnell, wenn man ihnen was vorspielt und man wirkt schnell unsympatisch, wenn man seinen Schreibstil oder auch Kleiderstil woanders abschaut. Was für den einen Blogger funktioniert, muss nicht für einen selbst gut laufen. Ich hatte mal meine Outfitpostings ändern wollen. Irgendwie im Comic-Stil, mit Sprechblasen und so weiter. Das kam leider sehr schlecht an und 90% der Kommentare waren sowas wie:”Oh bitte, Anna! Lass den Kinderkram weg! Deine Bilder waren vorher um Längen schöner!”

Yu-Ting: Ich habe irgendwann mal festgestellt, dass insbesondere die Konversationen auf Twitter mit Deinem Freund Jakuuub Dein Profil “Anna Frost” bzw “Fashionpuppe” schärft. Ist das ein bewusstes Instrument, welches du Dich bedienst?

Anna Frost: Willst du mir etwa unterstellen, ich benutze meinen Freund??? Hrhrhr

Yu-Ting: Sein Profil wird dadurch ja auch gestärkt! ;)

Anna Frost: Nein. Ich twittere viel. Und unterhalte mich auch hin und wieder mal über Twitter. Da Jakob und ich denselben Humor haben, bietet es sich manchmal an, mich mit ihm zu unterhalten. Und manche Steilvorlagen KANN ich einfach nicht verfallen lassen! Private, nicht wirklich relevante Studien haben aber ergeben, dass diese Paar – unterhaltungen – Vorwürfe, Einkaufslisten oder Streitereien inbegriffen – sehr gut ankommen! :-D Wer in einer Beziehung ist, weiß manchmal, wovon Jakob und ich reden. ^^

 

Yu-Ting: Viele Unternehmen versuchen sich heutzutage an Corporate-Blogs. Du hast schon einige Erfahrungen auf diesem Bereich machen können. Was sind Deine Beobachtungen? Was sind die typischen Fehler? Wo herrscht generell ein falsches Verständnis?

Anna Frost: Ein typischer Fehler ist alles, aber auch wirklich ALLES auf ein Mal zu wollen. Facebook, twitter, Blog, YouTube… Klar, es kann nicht schaden, alle Kanäle später zu bedienen, aber dann auch ordentlich. Und das geht am Besten Schritt für Schritt. Denn erst dann können die Kanäle Hand in Hand gehen. Wichtig ist auch, dass bei Corporate Blogs klar ist, was das Ziel ist. Ich empfehle auch immer, dass der Blog transparent sein soll: Wer schreibt dort, warum, für wen, es sollte Insider Infos aus dem Unternehmen geben, etc…

Yu-Ting: Kurz zurück zu deinen Anfängen. Meinst Du, Du wärst genauso erfolgreich gewesen, wenn Du damals nicht unter dem catchy Pseudonym gebloggt hättest?

Anna Frost: Der Name ist doch Wurst. Es geht um das, was ich leiste und mache. Wenn ich mir heute noch mal einen neuen Namen aussuchen könnte, hätte ich mich Anna Winter genannt. in Anlehnung an… du weißt schon :-) (Anmk. d. R. Anna Wintour, Chefredakteurin der US-Amerikanischen Vogue)

Yu-Ting: Zum Abschluss würde ich mich noch über ein Statement von Dir als Bloggerin freuen, bezüglich “Unterschiedliche Behandlung von klassischen Presseleuten und Bloggern” .

Anna Frost: Als Blogger hat man es noch immer schwer, ernst genommen zu werden. Dennoch bin ich total Überrascht, wie offen viele Labels und Agenturen gegenüber Bloggern sind und extra Events für sie veranstalten oder sie gemeinsam mit Journalisten einladen. Ich glaube auch, dass sich das immer mehr perfektioniert und mehr Firmen/ Marken und Agenturen Blogger für sich entdecken. Allerdings gilt es, bei Bloggern die Spreu vom Weizen zu trennen. Ansonsten finde ich diese ganzen Diskussionen um Journalisten und Blogger und Print vs. Online total albern.

Yu-Ting: Albern, weil es einfach nicht vergleichbare Formate sind?

Anna Frost: Ja. Das sind Äpfel und Birnen. Online ist halt ein schnelleres Medium, als Print. Wenn man es genau sehen würde, müsste sich ja dann zum Beispiel das Onlinemagazin der Grazia mit dem Printmagazin bekriegen. Beide ziehen am selben Strang und es gibt eine Menge guter deutscher Blogs, die sehr erfolgreich und auch professionell geführt werden.

Yu-Ting: Genau so wie Deiner! Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast und wir wünschen Dir noch weiterhin alles Gute und nicht so viele Streitereien mit Jakuuub! ;)

Anna Frost: hahahaha :-D Danke!! <3

 

 

 

 

 

Previous post:

Next post: