Die gläserne IP

by René on 15. Februar 2013

Rene KellnerWer kennt es nicht? Man wacht auf, das innere des Kopfes gleicht einer Stadionfrikadelle und man stellt sich eine Frage; Wer zum Teufel bin ich nur? Ich für meinen Teil habe für solche Fälle einen unschlagbaren Tipp, sofern Ihr euren eigenen PC in unmittelbarer Umgebung habt, besucht doch einfach mal folgende Seite:

http://www.google.com/ads/preferences/

In übersichtlicher Form findet Ihr hier schnell alles was die Menschenfreunde aus Mountain View so alles an Informationen über euch gesammelt haben. Und zack, seid Ihr zumindest schon mal auf der richtigen Fährte bei der Suche nach euch selbst. Natürlich dient die Speicherung Eures Geschlechts, Alters und Euren Interessen nur eurem Besten. Wie heißt es so schön auf der oben genannten Seite: „Erhöhen Sie die Relevanz der Anzeigen, die Sie im Web sehen.“ Wobei wir auch beim Thema wären. Der fromme Wunsch des gemeinen Mediaplaners nach der Minimierung bzw. der Eliminierung der ungewollten „Zielgruppenerweiterung“ oder kurz, der Streuverluste. Eine Welt, in der die komplette Reichweite einer Kampagne innerhalb der Zielgruppe bleibt. Ohne dabei auf Fachtitel zurück zu greifen ist der Online Bereich bereits seit mehreren Jahren auf einem guten Weg und nähert sich Stück für Stück an. Bereits jetzt ist der Status Quo der, dass man Targetingmöglichkeiten wie Alter, Geschlecht und Einkommen beinahe Aufschlagsfrei buchen kann und die Technik ist noch längst nicht am Ende.

Der geneigte Leser mag sich nun fragen wo das ganze nun noch hinführen soll. Die Antwort lautet, „zur gläsernen IP-Adresse“. Jedenfalls solange der User seine Cookies nicht löscht. Und wo der „Nicht-Werber“ jetzt ängstlich sein Einstellungsmenü im Browser durchsucht, reibt sich der Mediaplaner vergnügt die Hände. Jeder Werbemittelkontakt ein Kontakt in der Zielgruppe. Auch wenn diese nur aus zwei Rechnern besteht. Und da genau liegt das klitzekleine Problemchen. Nicht jeder Heimcomputer ist fest einer Person zugeordnet. Denn nur weil Papa Mustermann seine Cookies mit den neusten News zur „Boot“ gefüttert hat, ist Mutter Mustermann nicht gleich eine begeisterte Seglerin und freut sich über die ausgespielte Werbung für die neusten Anker. Anders herum trägt der Hausherr zwar hin und wieder mal gerne Lippenstift, aber die Farben seiner Frau passen nun mal nicht zu seinem Teint.

Die Datenpools sind also prall gefüllt und nähern sich immer weiter dem Optimalfall des digitalen Duplikats an, aber eben nur auf IP-Ebene. Obwohl…da ging doch vor kurzem etwas durch die einschlägige Presse. Erzählte da nicht ein Herr im schwarzen Kapuzenzipper irgendwas von einem Graph, oder so? Ja, jetzt hab ich´s. Mark, seines Zeichens Godfather of social stellte die Beta-Version seiner Antwort auf die bisher bekannten Suchmaschinen vor. Den Social Graph (https://www.facebook.com/about/graphsearch). Diese Anwendung erlaubt es den Usern nach allen freigegebene Information von Freunden und Freundesfreunden zu suchen. Der einsame 35jährige, der noch bei seiner Mama wohnt muss sich am Samstagabend demnach nicht mehr von Profil zu Profil hangeln um eine Begleitung für ein Candlelight Dinner in der ortsansässigen Frittenschleuder zu finden, sondern gibt einfach „alleine“ „Frau“ „Musterstadt“ „Hunger“ ein und erhält im nu eine Liste aller potentiellen Anwärterinnen auf die Hälfte seiner Currywurst. Warum ich jetzt auf dieses Thema komme? Nun ja, es erinnert mich daran, dass dank Facebook aus der gläsernen IP doch ein gläserner Mensch geworden ist.

Die Europäische Union schreibt seit dem 25.Mai.2011 ein einheitliches Europäisches Gesetz für Cookies vor. Diese sollte auf Grund der abgelaufenen Frist auch schon ins nationale deutsche Recht aufgenommen werden. Es bleibt die Frage, ob eine Cookie Richtlinie den verunsicherten Internetuser genug Aufklärung liefert um sich frei im Netz zu bewegen.

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