Exklusiv: Matthias Schrader zur Debatte um die digitale Kompetenz in Deutschland

by Johannes on 13. Oktober 2011

Er ist überall zu finden, ob auf Facebook, Twitter oder Google+. Und seit heute Morgen auch wieder einmal mit einer knackigen Aussage, die sich darauf reduzieren lässt: Die Politik hat keine Ahnung von der digitalen Kommunikation, die heutzutage Gang und Gäbe ist. Ich habe Matthias Schrader, CEO der Digitalagentur SinnerSchrader, kontaktiert, um ihn dazu selbst kurz zu sprechen…

Johannes Lenz: Moin moin Herr Schrader. Es freut mich sehr, dass sie kurzfristig Zeit haben für ein kleines Gespräch. Wie ist das Wetter an der Waterkant?

Matthias Schrader: Kein Grund zur Klage: Der Herbst ist gerade schöner als der Sommer.

Johannes Lenz: Seit heute Morgen sind Sie ja auf allen Kanälen, ob Print oder digitaler Natur, im Gespräch. Wussten Sie, dass aus ihrer Pressemitteilung vor allem der letzte Absatz (u.a. “Viele Politiker sind digitale Analphabeten”) Interesse wecken würde oder überraschen Sie die Reaktionen auf Facebook & Co.?

Matthias Schrader: Offen gestanden wundert mich das nicht wirklich. Denn ich bin ja nicht der einzige, für den das Maß voll ist. In der Branche ist es doch schon lange so, dass man sich fragt: Wissen die Entscheidungsträger eigentlich, was die Digitale Wirtschaft wirklich bewegt? Wenn es um Unternehmen geht, wird reguliert und reguliert. Geht es um die Sicherheitsbehörden, ist jedes Mittel recht. Grotesk.

Johannes Lenz: Die Branchenmagazine Horizont und W&V haben bereits über Ihre Aussagen berichtet. Letztere stellen Sie in eine Reihe mit den Aussagen von Philipp Schindler (CEO Google Nordeuropa) in der Tageszeitung Die Welt oder Sascha Lobo mit seiner gestrigen Mensch Maschine Kolumne auf Spiegel Online. Sehen Sie sich dort zu Recht verortet?

Matthias Schrader: Klar. Und ich würde mich freuen, wenn noch mehr Menschen einstimmen würden. Es geht doch letztlich um die Frage, wie wir jetzt die Weichen stellen für das Digitale Zeitalter. Gesellschaftlich, aber auch wirtschaftlich. Und da besteht Anlass zur Sorge. Die politische Debatte in Deutschland ist irrational, in Zügen hysterisch. Und so sehen dann auch die politischen Initiativen aus. Im Ausland wird Digitalisierung als Chance begriffen. Hierzulande als Gefahr. Über unsere Zukunft entscheiden Menschen, die nicht wissen, was sie tun. Wenn wir nicht umlenken, werden wir dafür die Quittung bekommen.

Johannes Lenz: Warum meinen Sie hat die Politik eigentlich keine Ahnung von der digitalen Kommunikation und wie entstehen für die Republik daraus konkret Standortnachteile? Es gibt doch zahlreiche Initiativen, innovative Unternehmen werden gefördert, die Bundesregierung trifft man im Netz usw. Es ist doch längst nicht der Fall, dass digitale Unternehmen wie Google & Co. planen, Investitionen in Deutschland zurückzufahren. Der Leser könnte auf die Idee kommen, das hier wieder einmal eine “Sau durchs digitale Dorf getrieben” wird…

Matthias Schrader: Naja, die Kampagnen kommen bislang eher aus der Politik. Das Perfide ist ja, dass sich die Politik in Sachen Technologie und Datenschutz als Beschützer von Bürgerinteressen geriert. Das Böse wird in Unternehmen vermutet – und gleichzeitig werden durch Gesetzgebung und Schlamperei eben jene Persönlichkeitsrechte unterwandert. Wenn das Klima einmal vergiftet ist, nützt auch die schönste Wirtschaftsförderung nichts. Es geht doch genau um den Unterschied von Sonntagsreden und tatsächlichem Handeln. Für uns von SinnerSchrader heißt das bislang ganz konkret: Der E-Commerce ist schon jetzt überreguliert. Im Online-Media-Geschäft droht uns mit dem Quasi-Verbot zielgerichteter Werbung der Rückfall in die prädigitalte Steinzeit. Für Werbetreibende ist das eine Katastrophe. Und dem deutschen Endkunden droht nun auch im Netz eine Service- und Komfortwüste.

Johannes Lenz: Wenn Sie Recht haben und Ihre Diagnose zutreffend sein sollte: Was können wir, SinnerSchrader und GREY, die wir digitale Kommunikation leben, befördern und realisieren, dazu beitragen, das Ihre Diagnose bald ihre Daseinsberechtigung verliert?

Matthias Schrader: Puh, ehrlich gesagt, habe ich wenig Hoffnung, dass sich an dieser Entwicklung durch eine Debatte etwas ändern wird. Ich wollte nur mal meiner Frustration Luft machen.

Johannes Lenz: Herr Schrader, haben Sie vielen Dank für das Gespräch. Sollten Sie demnächst in Düsseldorf sein, kommen Sie doch einmal in der Ideenbotschaft vorbei. Auf Sie wartet ein frischer Espresso ;).

Matthias Schrader: Mache ich gerne. Gruß nach Düsseldorf!

44 comments
SaschaStoltenow
SaschaStoltenow

Wenn ich mir die Biographien vieler Gründer in den USA anschaue, ist vor allem die restriktive Einwanderungspolitik Deutschlands der entscheidende Standortnachteil. Und dass wir kein Englisch sprechen und unser Militär weniger offensiv einsetzen, finde ich so falsch nicht. Wer außerdem glaubt, die USA seien weniger reguliert, dem empfehle ich ein ausreichend langes Lebenspraktikum eben dort.

SaschaStoltenow
SaschaStoltenow

Nehmen wir mal für einen Moment an, die Diagnose von Mathias Schrader stimmt, und wir werden von digitalen Analphabeten regiert. Was bedeutete das, und was wäre zu tun? Es bedeutete, dass es für einen Großteil der Wähler nicht die "Computer Literacy" der von ihm Gewählten entscheidend ist, und diejenigen, für die das relevant ist, geben u.a. den Piraten ihre Stimme. Das wiederum bedeutet, dass unser politisches System funktioniert, wenngleich es einige Stimmen gibt, die sagen, mit der digitalen Kompetenz der Piraten sei es auch nicht soweit her.

Was also wäre zu tun? Wie überall, wo man Defizite vermutet, könnte man versuchen, sie zu vermindern, hier also Politiker weiterzubilden, denn dann, so verstehe ich Schrader, würden sie bessere Entscheidungen treffen. Der übliche Weg in imperfekten Informationsmärkten, dieses Defizit auszugleichen, ist Lobbyismus. Allerdings scheint das Urteil über die entsprechenden Verbände, das hier in den Kommentaren gefällt wird, nur wenig freundlicher zu sein, als das Schraders gegenüber den Politikern. Insofern zweifle ich daran, dass er ernsthaft daran interessiert ist, Politiker schlauer zu machen.

Und überhaupt: welche Entscheidungen würden diese schlaueren Politiker fällen? Und wenn es sie bereits in der Vergangenheit gegeben hätte, wären Apple, Google, Microsoft und Facebook in Deutschland gegründet worden?

Mir ist dieses Politik-Bashing zu einfach, vor allem angesichts der Aufgaben, die wir zu lösen haben. Gegenseitige Beschimpfungen - ja, das kann ich auch gut, es ist aber vermutlich zu wenig und falsch - helfen da nur bedingt.

MarcoRipanti
MarcoRipanti

Die Meinung vorn Matthias Schrader vertreten sicher einige bis sehr viele. Startups und etablierte Unternehmen leiden massiv darunter, dass man sich (meiner Meinung nach) gar nicht mit den neuen digitalen Möglichkeiten und Begebenheiten beschäftigen möchte.

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SaschaStoltenow
SaschaStoltenow

Wenn ich mir als Alternative vorstelle, von einem digitalen Oberchecker wie Matthias Schrader regiert zu werden, bin ich fast um jeden Analphabeten in Berlin und Brüssel froh. Ich will die Probleme verkennen noch beschönigen, aber ich sehe die schnelle öffentliche Diskussion über die kritischen Themen als Erfolg einer rasch kompetenter werdenden Gesellschaft. Schraders Verbalinjurien zeigen dahegen sehr deutlich, dass ein seinen Partikularinteressen folgender Unternehmer nicht geeignet und wohl auch nicht daran interessiert ist, um ernsthaft an der Gestaltung gemeinwohlorientierter Prozesse mitzuwirken. Talk is cheap.

PatrickBreitenbach
PatrickBreitenbach

Wie bereits Herr Kruse vor 2 Jahren auf der re:publica konstatiert hat: Es mangelt an einer vernünftigen und sachlichen Debatte. Der digitale Graben ist noch zu groß und "Frust ablassen" wie hier geschehen führt nicht dazu eine Brücke zu bauen, ganz im Gegenteil, jeder zieht sich in sein Schneckenhaus und Elfenbeinturm zurück.

Beide Seiten müssen bereit sein zuzuhören und zu lernen. Das gilt auch für die sogenannte digitale Wirtschaft, ie ich nicht unmittelbar gleichsetzen würde mit der eCommerce-Branche, die ja selbst noch mal ein ganz anderes Interesse hat als beispielsweise digitale Verlage oder Bildungseinrichtungen. Nur weil die Politik einen nicht mehr zeitgemäßen Verbraucherschutz fordert, heißt das nicht automatisch, dass wir den Verbraucherschutz im Netz komplett aufheben.

Ja, Lobbyismus ist sicherlich der konventionelle Weg um Interessen in die Politik zu tragen, wesentlich einfacher wäre es jedoch wenn einige Unternehmer den Arsch in der Hose hätten, selbst Politik zu machen. Seltsam das das so wenige tun. Politik ist in erster Linie Gestaltung und Verantwortung und nicht ein Erfüllungsgehilfe für die Realisierung eigener Interessen. Politik handelt im Auftrag einer Gesellschaft und tanzt nicht nach der Pfeife von irgendwelchen Interessensverbänden (sollte sie jedenfalls nicht).

Solange also Unternehmer immer nur fordern oder motzen und nichts MACHEN und sich selbst auch nicht den Ängsten einer Gesellschaft empathisch stellen, solange sie Klick- und Verkaufszahlen im Kopf haben und nicht den gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang, solange haben sie aus meiner Sicht auch keine wirkliche Veränderung verdient.

Aufgrund der deutschen Geschichte mit zwei aufeinanderfolgenden Diktaturen UND der gleichzeitigen wirtschaftlichen Power ist dieses Land wesentlich sensibilisierter für politische Entscheidungen als jedes andere Land auf der Welt. Und es wirkt dadurch eben auch in ihren Handlungen wesentlich konservativer.

Ansonsten sehen wir ja sehr deutlich, was bei unterregulierten Märkten gerade so passiert.

ChristophSalzig
ChristophSalzig

Hmm, so schieben wir die Debatte aber nicht an. Ich weiß, dass das unpopulär ist, aber an der Stelle will ich wenigstens mal darauf hinweisen, dass es so etwas wie den BVDW gibt. Das Thema ist für meine ehemaligen Kollegen ja nicht neu, vielleicht ermuntert das ja das Präsidium nochmal nachzukarten. Die Medien sind ja nur ein Teil. Wichtig wäre doch, dass die Diskussion Berlin erreicht, damit eine sachliche Debatte zwischen der Digitalen Wirtschaft einerseits und der Politik andererseits stattfindet. Am besten öffentlich!

GREY_Blog
GREY_Blog moderator

@NicoLumma ob es @MatthiasSchrader nur um die Befreiung vom Frust ging, wage ich mal zu bezweifeln ;) Stellt sich nicht eher die Frage, wie der Diagnose, wenn sie den zutreffend ist, begegnet werden kann?

GREY_Blog
GREY_Blog moderator

@SaschaStoltenow Danke für den ausführlichen Kommentar. Der letzte Satz ist mir wichtig. Im obigen Interview wird @MatthiasSchraderkonkret: "Für uns von SinnerSchrader heißt das bislang ganz konkret: Der E-Commerce ist schon jetzt überreguliert. Im Online-Media-Geschäft droht uns mit dem Quasi-Verbot zielgerichteter Werbung der Rückfall in die prädigitalte Steinzeit. Für Werbetreibende ist das eine Katastrophe. Und dem deutschen Endkunden droht nun auch im Netz eine Service- und Komfortwüste."

Das ist eine Basis, auf welcher der Austausch basieren kann. Ich kenne mich damit leider zu wenig aus. Aber ich möchte meinen Teil dazu beitragen, das Bewegung in den Austausch kommt. Und dazu müssen vermutlich alle, die sich mit dem Thema befassen, Wirtschaft, Politik, Verbände an dem Austausch teilnehmen. Und dabei muss man vielleicht etwas andere Wege gehen als bisher.

Aber eben problemorientiert und sachlich. Im Interesse aller Beteiligten.

GREY_Blog
GREY_Blog moderator

@MarcoRipanti Dank DIr für den Kommentar. Wie das Interview mit @MatthiasSchrader sowie die zahlreichen Kommentare hier zeigen, besteht bei den Unternehmensvertretern (hier Agenturen) schon der Wunsch nach Veränderungen. Und es gibt durchaus engagierte Persönlichkeiten in der Wirtschaft, den Verbänden oder der Politik, die sich um mehr Expertise und Problemlösung bemühen.

GREY_Blog
GREY_Blog moderator

@SaschaStoltenow Danke für den Kommentar. Allerdings würde ich mich freuen, wenn wir hier problemorientiert bleiben und nicht Personen angehen.

ChristophSalzig
ChristophSalzig

@PatrickBreitenbach@MarcoRipanti@mr94@SaschaStoltenow@MatthiasSchrader Ich meine, dass es in einem Pluralismus durchaus angebracht ist, wenn sich Unternehmer auch politisch engagieren - so wie es Lehrer, Juristen (!) und andere auch tun. Ebenso lebt aber unser Pluralismus davon, dass öffentliche Debatten geführt werden. Da es schwierig ist, diese Debatten einfach so (oder mit Hilfe von Fachmedien - machen wir uns nichts vor, die Reichweite langt wahrscheinlich kaum bis Berlin) vom Zaun zu brechen, sollten Verbände dabei helfen. Dabei sollte es nicht darum gehen, nur großen Unternehmen eine Stimme zu geben, sondern die wirtschaftlichen Grundlagen (bei Cookies, Daten- und Verbraucherschutz müssen wir nicht über Nuancen reden, sondern über das große Ganze) aller zu thematisieren und zu sichern. Der Weg dahin ist egal - in Round Tables hinter verschlossenen Türen oder durch öffentliche Debatten. Wichtig ist allein, dass sich die Interessenvertretung als Interessenvertretung der gesamten Branche versteht, die Branche sie dabei unterstützt und mit einer Stimme gesprochen wird. Weder Politikerbashing noch das Belächeln der Verbände oder das Diskreditieren von Meinungen scheint mir da wirklich zielführend... oder irre ich? Disclaimer: Ich arbeite seit 2008 nicht mehr für den BVDW und bin in keiner Partei. Mein Herz hängt auch keinem der Genannten, allerdings weiß ich, was sich bewegen lässt, wenn sich die Richtigen engagieren...

GREY_Blog
GREY_Blog moderator

@PatrickBreitenbach Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Nun, wenn ich es richtig sehe, ist etwa @NicoLumma politisch aktiv. Aber Du hast recht, das der Beginn darin liegen muss: "Beide Seiten müssen bereit sein zuzuhören und zu lernen." Und Schneckenhaus und Elfenbeinturm sollten der Vergangenheit angehören. @MatthiasSchrader fordert ja im Interview: " Und ich würde mich freuen, wenn noch mehr Menschen einstimmen würden. Es geht doch letztlich um die Frage, wie wir jetzt die Weichen stellen für das Digitale Zeitalter."

Und ich finde, dass in der Folge dieser währenden Debatte zumindest Impulse setzen sollten, das Miteinander zu fördern. Und dafür ist meines Erachtens Austausch nötig. Offener und ernsthafter Austausch.

Ich weiß, der eine oder andere wird jetzt sagen, dass er dies schon zum Xten mal liest. Aber ich hege die Hoffnung, dass es diesmal nicht bei der Diskussion bleiben wird.

GREY_Blog
GREY_Blog moderator

@ChristophSalzig Wir sind hier ja öffentlich, Christoph. Wir möchten dazu beitragen, dass die Debatte geführt wird. Vielleicht können wir hier einen Impuls setzen. Zusammen. Das heißt für mich auch BVDW. Welche Position vertritt er?

SaschaStoltenow
SaschaStoltenow

@GREY_Blog @MatthiasSchrader Mein Mitleid mit den Werbetreibenden hält sich in engen Grenzen. Ich warte gespannt auf überzeugende Beispiele, in denen die deutsche Gesetzgebung ursächlich für Service- und Komfortdefizite ist. Jamba und 9live hat diese Gesetzgebung auf jeden Fall nicht verhindert.

Bis dahin überzeugen mich Unternehmer, denen es gelingt, Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die genug für sich selbst sprechen und nicht auf Werbedruck angewiesen sind. Und selbstverständlich freue ich mich auf alle, die bereit sind, sich über eitles Gedröhne hinaus zu engagieren.

MarcoRipanti
MarcoRipanti

@GREY_Blog Ja sicher .. das bekommt man ja täglich über die diversen Stellen mit. Wie groß ist hier jedoch die "Gefahr", dass lediglich die eigenen Interessen vertreten werden und nicht der "kleinen Experten"?

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SaschaStoltenow
SaschaStoltenow

@GREY_Blog Heißt das, das Pauschalurteil "Analphabeten" ist problemorientiert? Und wen anders als den Kommentator sollte man angehen? Oder anders formuliert: Schraders Tirade ist ebenso problematisch wie schlechte politische Entscheidungen.

MatthiasEhrlich
MatthiasEhrlich

guten morgen - hier ist der BVDW :-). Position: wir kämpfen darum, dass das zu Recht beklagte Unverständnis sich bessert (auch wenn eher in vielen Runden mit Beamten, Politikern, Abgeordneten). In der Cookie-Geschichte haben wir in Europa über unseren Dachverband IAB Europe den Dialog gebaut, hier in D nach 3 Jahren (!) den Rest der klassischen Mediapolitik hinter unser Thema bekommen und starten bald die Selbstregulierung für den Nutzer direkt - usw. usw. -

Aber: seid Ihr im BVDW / FOMA bzw. Matthias Schrader? Wenn nein, warum nicht?

Ein knackiges Interview + Presse pur - oder mühselige Kärrnerarbeit zusammen mit der gesamten Industrie. Völlig klar, dass ein einzelner Einwurf nichts bewirkt - die zusammengefasste Stimme der Industrie schon.

Also: http://www.bvdw.org/der-bvdw/mitgliedschaft/mitglied-werden.html - und dann zusammen daran arbeiten, dass denen mal auffält, dass es eine deutsche Internetindustrie gibt -

GREY_Blog
GREY_Blog moderator

@NicoLumma ok. dann frage ich dich: Hat @MatthiasSchrader Recht, wenn er schreibt, dass der E-Commerce überreguliert ist und im Online-Media-Geschäft mit dem Quasi-Verbot zielgerichteter Werbung der Rückfall in die prädigitalte Steinzeit droht?

ChristophKappes
ChristophKappes

Habe den selben Frust, versuche aber, was zu ändern. Können uns gern mal mit Nico und noch ein paar Leuten zusammensetzen.

Gegen die Planlosigkeit der Politik hilft ein Plan :-)

GREY_Blog
GREY_Blog moderator

@MarcoRipanti Das kann ich Dir nicht sagen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass wir alle ein Interesse daran haben, das wir vorwärts kommen. Und ich sehe da erst mal keine Gefahr sondern den Willen, was zu tun.

MatthiasEhrlich
MatthiasEhrlich

Zum einen: Augenrollen kann man gerade auf europäischer Ebene - so klein-klein wie die Kollegen auf europäischer Ebene denken, kann man es keinem Politiker verdenken, wenn er uns nicht zuhört. das versuchen wir zwar mit dem IAB Europe zu ändern, ist aber einfach eine Sammelsurium von 27 Ländern. Zum zweiten: was nutzt es, wenn wir gute Grundlagenforschung machen, nachher im Spin-off aber Professionalität und Geld fehlt? Das Problem liegt nicht in dem was wir tun könnten, sondern wie wir ins Firmenleben kommen.

ChristophKappes
ChristophKappes

@MatthiasSchrader Bezog sich auf "Verbandsvertreter", die mich in Berlin regelmaessig zum Augenrollen bringen. Die Mitleidstour ist unangebracht.
In der Sache gebe ich Dir recht, Matthias. Die groesse der Maerkte wuerde sich aber durch eine klare europaeische Ausrichtung mit zielgerichteter Beschleunigung ausgleichen lassen.
Ich arbeite gerade an einem Papier als Sachverstaendiger. Mich wuerde Deine Meinung sehr interessieren, ob Du einen Weg in Richtung Cluster (Technologie & Kapital & Forschung ... ) siehst. Ich habe im Moment den Eindruck, dass zumindest Kapital in Berlin ankommt.

MatthiasSchrader
MatthiasSchrader

Moin Christoph,

dass Datenschutz Prosperität verhindere, habe ich nicht behauptet. Mein Punkt ist ein anderer: Unternehmen haben in Europa aufgrund der Marktrückstandes, der Skalengrößen der nationalen Wirtschaften und des Zugangs zu Risikokapital einen systemischen Standortnachteil gegenüber unseren amerikanischen Freunden. Darüber will ich auch nicht groß Jammern. Das ist ja auch Ansporn ;-)

Was aber nicht in meinen Kopf will, dass wir Weltmeister darin sein müssen, alles schon bürokratisch, juristisch und fürsorglich geregelt zu haben, bevor wir eine echte Internetindustrie hierzulande haben. Lasst uns erst die Autos und Straßen bauen – und anschließend schauen, was der TÜV regeln soll und was nicht. Die Aufwände und Energie, die wir beispielsweise in das Thema Datenschutz und Targeting stecken müssen, sind abenteuerlich. Darüber lachen sich die internationalen Wettbewerber schlapp. Mit dieser Haltung hätten wir vor hundert Jahren keine Auto, Chemie und Maschinenbau-Industrie aufbauen können.

ChristophKappes
ChristophKappes

Man nehme es mir nicht übell, aber ich sage jetzt doch mehr als einen Satz.

Ich bin nicht der Ansicht, dass man mit Pauschalurteilen in Richtung Politik weiter kommt. Nico wie auch ich wissen glaube ich aus eigener Erfahrung, dass es weniger der Analphabetismus ist als eine Reihe von Grundhaltungen in Kombination mit politiktypischen Reflexen, welche Lösungen erschweren. Man müsste ja als Gesetzgeber überhaupt erstmal eine Analyse machen und eine mittelfristige Landkarte an Problemen und Lösungen. Das findet in der Politik nicht statt.

Des weiteren agrumentieren aus meiner Sicht auch Verbandsvertreter nicht einen Deut besser als Politiker. Der Wirtschaftszweig blüht - und es ist unglaubwürdig, hier "landunter" zu prophezeien. Ausserdem sind hier die gleichen Reflexe auf äh schwachem Niveau. Dass zB Datenschutz Prosperität verhindere, halte ich für groben Unfug. Auch Jubelmeldungen wie dass der Mobile-Markt wachse, sind in Richtung Politik überflüssig. Auch wird das Land keinen Schaden nehmen, wenn man Targeting einschränkt.

GREY_Blog
GREY_Blog moderator

@MatthiasEhrlich Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Das Engagement ist prima und der BVDW sollte in der Debatte genauso engagiert auftreten wie auf EU Ebene. Ich bin mir nicht so sicher, ob @MatthiasSchrader nicht doch etwas bewirkt mit seinem Wunsch: "Und ich würde mich freuen, wenn noch mehr Menschen einstimmen würden. Es geht doch letztlich um die Frage, wie wir jetzt die Weichen stellen für das Digitale Zeitalter. " Zumindest hier sowie im Netz wird publiziert ( @NicoLumma : http://lumma.de/2011/10/14/staerkung-der-persoenlichkeitsrechte-in-der-digitalen-gesellschaft/ oder @basicthinking http://www.basicthinking.de/blog/2011/10/14/der-weg-aus-dem-tal-der-ahnungslosen-politikern-das-internet-schmackhaft-machen/ ) und diskutiert. Und wenn wir es schaffen, demnächst tatsächlich erste Impulse zu erarbeiten, wäre das doch klasse.

MarcoRipanti
MarcoRipanti

@MatthiasEhrlich Ganz ehrlich! So lange der BVDW einen Austritt nur in Papierform per Einschreiben anerkennt, glaube ich nicht dass man mich dort entsprechend vertreten kann ... :-)

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mr94
mr94

Ja, ich frage mich schon länger, was der BVDW eigentlich für die digitale Wirtschaft getan hat. Ok, außerdem dem Aquädukt.

ChristophKappes
ChristophKappes

In diesem Geschäft zählt Inhalt mehr als Geschwindigkeit.

ChristophSalzig
ChristophSalzig

@MatthiasEhrlich Wir sind zwar nicht immer einer Meinung gewesen in der Vergangenheit. In diesem Fall aber schon. Eine starke Branchenvertretung ist immer noch der beste Weg, politische Vorhaben, die in die Irre führen auszubremsen. Nur: Muss sie eben auch die entsprechenden Unternehmen als Mitglieder vertreten. @matthias schrader Angesichts des erfolgreichen Geschäftsjahres von SinnerSchrader sollte dieser Schritt doch eigentlich nicht so schwer fallen;-) Immerhin hat der BVDW doch hier bewiesen, wie reaktionsschnell er sein kann;-)

GREY_Blog
GREY_Blog moderator

@NicoLumma@MatthiasSchrader Ich würde es eher eine kleine Unterhaltung nennen, deren Ausgang ungewiss ist, von dem ich aber hoffe, dass er uns alle ein wenig vorwärts bringt. Cookie Richtlinie? Mhm, bedeutet was in kurz?

Was Facebook und Schleswig Holstein anbetrifft: Ich fand das aber auch mal ganz interessant zu lesen, was Facebook schrieb und wie sie ggü dem ULD argumentierten...

NicoLumma
NicoLumma

@GREY_Blog@MatthiasSchrader oha, das wird ja hier zum verhör. ich kann das thema überregulierung im ecommerce bereich nicht einschätzen, da bin ich nicht im thema. wenn allerdings die cookie-richtlinie kommt, dann gebe ich ihm beim thema online-marketing recht.

es gibt aber noch viele andere themen, wo einfach die rechtsgrundlage nicht mehr zeitgemäß ist und die politik nicht weiß, was sie machen soll. das naheliegende beispiel ist die facebookshow des uld in kiel.

GREY_Blog
GREY_Blog moderator

@ChristophKappes Das muss dann aber schon ein 5 Jahresplan sein :) Nein, Scherz beiseite. Mich hat es sehr gefreut, das @MatthiasSchrader Zeit hatte für die Fragen. Und wenn wir es Ernst nehmen, dann können wir hier vielleicht jetzt Impulse geben, um in der Debatte um digitale Kompetenz in Deutschland vorwärts zu kommen. Wäre beim zusammensetzen dabei!

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