Innovativ: Der Spiegel im Spiegel seiner selbst

by Johannes on 6. September 2011

Was passiert im Social Web? Worüber wird diskutiert? Was interessiert die Menschen? Das sind Fragen, die uns immer wieder beschäftigen. Egal ob Unternehmen oder Privatpersonen, alle, die überlegen, im Social Web aktiv zu werden, überlegen, wie sie die User ansprechen wollen, um mit Ihnen in einen für beide Seiten produktiven Dialog zu treten.

Dabei kann natürlich Folgendes passieren: Das, was ich jetzt hier auf dem GREY Blog schreibe, muss für die Nutzer auf Twitter, Facebook und Co. längst nicht von Interesse sein. Aber trotzdem ist es hier im Blog populär und es wird darüber in den Kommentaren diskutiert. Ein Gegenüberstellung der Inhalte wäre natürlich nicht schlecht, um ihre Resonanz zu vergleichen…

 

Dem Spiegel einen Spiegel vorhalten

Heute Mittag bin ich dann über diesen Tweet von Christian Gast gestolpert. Er hat eine kleine aber feine Seite gebaut, auf der links die Titel der bestplatziertesten Artikel der Spiegel Online Redaktion auf Spiegel Online in den letzten 24 Stunden zu sehen sind. “Aus reiner Neugier”, wie Christian auf der Webseite verlauten lässt, hat er sie gebastelt. Sollte dies stimmen, ist das klasse!

Rechte Hand findet Ihr die Artikel von Spiegel Online der letzten 24 Stunden, welche im im Social Web am häufigsten auf Facebook “geliked” und auf Twitter “ge-retweetet” wurden. Und oh Wunder: “Hüben und drüben” müssen nicht identisch sein und sind es wohl auch nicht.

Worin besteht der Mehrwert?

Was ist jetzt so spannend an dieser auf den ersten Blick simpel aussehenden Seite? Denn zunächst einmal sehen die Redakteure einfach mal, welche ihrer Artikel eben für das Social Web von Interesse sind und welche nicht. Worüber unterhält man sich auf Facebook, Google, Twitter und Co. und worüber nicht? Aus Social Media Perspektive könnte man auch sagen: “Weltraumschrott vs. DAX”.

Was meint Ihr, könnte die Gegenüberstellung dazu führen, redaktionellen Content zielgerichteter aufzubereiten oder macht es überhaupt keinen Sinn, was sich Christian da überlegt hat?

6 comments
johnny.delux
johnny.delux

Ich denke dass zwei autonome und auch legitime Interessen / Neugierden gegenübergestellt werden. Auf der eine Seite der Spiegel (als Beispiel), der relevante Themen rankt bzw wie es Michael hofft, seiner Informationspflicht ("Interesse wecken") zum politischen und gesellschaftlichem Leben nachkommt. Und dazu eben auch die Leser dessen, die wissen wollen, was ihr Leben beeinflusst und was weltweit wichtiges passiert.

Auf der anderen Seite social media. Dort werden zwar auch wichtige Themen verhandelt, aber man ist als Leser und auch als Poster davon getrieben, die "Randnotizen", die unter der Decke des "Wichtigen" versteckten Themen, die kleinen Perlen des Absurden, zu entdecken bzw den "Freunden" zu Verfügung zu stellen. Es ist schlichterdings der Spass am Subversivem, am Absurdem und der Spaß am Entdeckertum.

Somit schreibt der Spiegel ganz sicher nicht an seinen Lesern vorbei und aus meiner Sicht bedient das social Media einfach andere Bedürfnisse.

Es macht ja auch (in den meisten Fällen) keinen Sinn, dass wir uns bei den klassischen Medien die Seite 1 ins social media ziehen.

MichaelKausch
MichaelKausch

Ich hoffe mal, dass es keinen Sinn macht. Sonst erleben wir die RTLisierung auch noch der letzten Medien: "Geschrieben wird, was die Leute lesen wollen." Es ist Aufgabe der Informationsmedien Interesse zu wecken, nicht Interessen zu befriedigen. Klingt altmodisch. Ist es auch.

Aber ich denke mal, dass diese schlichte Gegenüberstellung ohnehin wenig Aussagekraft hat: weder wird die Rezeptionssituation analysiert, noch die Struktur oder das situationsspezifische Informationsinteresse der Rezipienten. Man fatzebuckt und twittert vermutlich mit anderen Interessen, als man bei SPIEGEL recherchiert.

frankzimmer.de
frankzimmer.de

Es macht Sinn, wenn man Socialmedialists mit Leserschaft gleichsetzt. Kann man aber nicht, jedenfalls nicht beim Spiegel. Noch fragwürdiger wäre die daraus abgeleitete These: "Der Spiegel schreibt an seinen Lesern vorbei". Denn der Spiegel analysiert mit Sicherheit auch den Traffic auf der Startseite. Bei allem Respekt vor Social Media, aber Website-Analyse ist keine Blogger-Erfindung.....

GREY_Blog
GREY_Blog moderator

@johnny.delux Danke Johnny für Deinen Comment. Social Media = Spaß am Subversivem? Auch nicht schlecht ;) Was können aber beide voneinander lernen? Oder: Wie können beide voneinander partizipieren.

GREY_Blog
GREY_Blog moderator

@MichaelKausch Hallo Michael, dank Dir für Deinen Kommentar. Es ist ja wohl auch nur so aus Neugierde seitens Christian entstanden, aber dennoch mal ganz interessant zu sehen, was im Social Web kursiert und was bei Spon oben auf ist. Was kann man aus dieser Diskrepanz schlussfolgern?

GREY_Blog
GREY_Blog moderator

@frankzimmer.de Vielen Dank Frank für Deinen Kommentar. Da merkt man den eingefleischten Journalisten in Dir ;) Aber Spaß beiseite: Mich interessiert, welchen Mehrwert man aus der Neugier von Christian ziehen kann.

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