Facebook: Eine Woche an der Börse. Und jetzt?

by Johannes on 30. Mai 2012

Eine gute Woche ist es inzwischen her, das Facebook aber auch wirklich alle Kanäle beherrschte. Das größte Social Network ist seitdem ein börsennotiertes Unternehmen und rückt damit in den weltweiten Fokus von selbsternannten Analysten und ihren Bewertungen.  Und jetzt? Ganz einfach: Facebook geht seinen Weg “straight forward”! 

(flickr Profil Sean MacEntee, CC BY 2.0)

Facebook und die Börse

Was wurde nicht alles geschrieben über Facebook und seinen Gründer, Mark Zuckerberg, aufgrund des Börsenstarts… Die Rede war vom Börsenfiasko,  von der Social Network Bubble, von Spekulationen, wonach Zuckerberg bald Entschädigungen an Kleinanleger zahlen müsse usw. Und während Facebook in der veröffentlichten Wahrnehmung zu trudeln scheint und an der Börse seinem Ausgabepreis weiter hinterherschaut, hat der Gründer geheiratet und wandelte mit seiner Angebetenen auf den Spuren des antiken Roms. Natürlich mit langen Gesichtern… Wer es glaubt, bitte.

Und Facebook?

Facebook geht weiter vorwärts. Was bleibt dem Branchenriesen auch anderes übrig? Es ist ein Unternehmen, das Geld verdienen muss, um seine Mitarbeiter und Aktionäre zufriedenzustellen. Entscheidend für seinen Erfolg ist die evolutionäre Innovationsfähigkeit. Beides gilt im im übrigen auch für Google & Co. Und die Schritte sind ja nicht zu übersehen.

Kaum ist Facebook ein paar Tage börsennotiert, kommt die nächste Meldung durchs Social Web gesaust, die aufhorchen lässt: Facebook bringt eine eigene Kamera-App auf den Markt! BÄM! Und wie immer beginnt der Rollout  zunächst in den USA. Das erste Feedback: Warum braucht das Netzwerk eine eigene Foto-App, wenn es doch vor kurzem für viel Geld Instagram akquiriert hat?

Die nächste Meldung lautete dann dieser Tage: Facebook bastelt nach mäßigen Ansätzen in der Vergangenheit derzeit an einem eigenen Smartphone, das 2013 auf den Markt kommen soll. BÄM! Kolportiert wird zudem das Interesse an einigen mobilen Dienstleistern und nicht zuletzt an der Technologie von Opera. Opera ist vielen Nutzern bekannt als Anbieter von Open Source Software mit Produkten wie etwa dem gleichnamigen Browser. Das angeblich mit dem hübschen Codenamen Buffy versehene Telefon-Gerücht erhält zudem weitere spekulative Nahrung, wonach Zeitungen melden, dass Facebook in letzter Zeit immer häufiger ehemalige Apple-Ingenieure rekrutiere.

Quo Vadis, Facebook?

Facebook geht schlicht und einfach seinen Weg und nimmt sich seiner Zukunft an. Nicht mehr und nicht weniger. Das sollte man vielleicht einfach mal zur Kenntnis nehmen, wenn man sich mit dem Netzwerk und seinem Erfolg oder Mißerfolg befasst. Ein Beispiel, wie man es vielleicht nicht tun sollte, ist das gestrige Interview in Werben & Verkaufen, in welchem Facebooks Börsengang und dessen Einfluss auf das Image des Social Networks besprochen wird.

Facebook ist und bleibt auf absehbare Zeit der Riese im Reich der Social Networks, verdient viel viel Geld mit Werbung und ist bei großen Marken im Social Web unbestrittenes Zugpferd, wenn es um Online Werbung geht. Und natürlich kann man eins und eins zusammenzählen, warum ausgerechnet rund um den Börsengang öffentlich wird, das GM 10 Millionen Dollar Marketing-Engagement auf Facebook abzieht. Nur: Vielleicht resultierte es aus der Position, die Facebook im Hinblick auf seine 900+ Mio. Nutzer gegenüber dem Unternehmen einnahm, wie Allfacebook.com berichtet: “According to AdAge, GM wanted a higher-impact presence, feeling that sponsored stories and the ad units the social network offers on the right-hand side of its pages weren’t enough, but Facebook held fast to its mantra of not bombarding its users with advertising.”

Aber das ist hier nicht die Frage. Die entscheidende Frage ist, wohin sich Facebook bewegt und wie es das tut. Und ich würde mal sagen, das Mark Zuckerberg da mit seiner Truppe einen Plan verfolgt ;)

Facebook und der Dreiklang aus mobil, visueller Kommunikation und Werbung

Noch vor dem Instagram-Kauf hat Facebook die Qualität der Ansicht von Bildern erheblich verbessert. Nebenbei: Welche Art von Content geht auf Facebook besonders gut? Genau, Fotos bzw. Bilder mit einfachen, oftmals auch subtilen Botschaften. Durch den Zugriff auf Instagram, der Expertise des Teams sowie vor allem die Community hat Facebook ein Kronjuwel erobert, welches über kurz oder lang an einen Wettbewerber gegangen wäre. Denn neben der einfachen Genaialität und dem Individualismus von Instagram, der inzwischen hier und dort in anderer Form kopiert wird, ist es natürlich auch erklärtes Ziel gewesen, das Start-Up erfolgreich zu machen. Und da es kein erkennbares Business Modell dahinter gab, nutzten die Gründer die Chance, die sich mit Facebook bot. Zuckerbergs Team bastelte zu diesem Zeitpunkt schon lange an einer eigenen Foto-App.

Dies wurde auch nach Bekanntwerden des Deals fortgesetzt, da die bisherigen Möglichkeiten mit der Facebook App waren und sind, um es milde zu formulieren, eingeschränkt. Demnächst können auch deutschsprachige Nutzer mehrere Bilder über die Kamera-App mit ihren Kontakten teilen, bearbeiten und mit Filtern versehen. Das mehrfache  Teilen geht via Instagram beispielsweise nicht. Die Facebook-Kamera-App wird auch nicht eine eigenen Community aufbauen, sondern in den eigenen Facebook-Stream posten. Insofern besteht zum Teil nicht unbedingt eine Konkurrenz zwischen den beiden Foto-Apps. Was für Facebook vielmehr entscheidend sein dürfte, ist die Leidenschaft der Instagram Community, von deren Top-Usern Adweek heute schon sagt: “Instagrammers are the new brand influencers“. Letztlich erleben wir derzeit ein Erstarken der visuellen Kommunikation durch mobile photo & video sharing, die Facebook längst erkannt hat, aber noch nicht in Gänze realisieren kann.

In der Konsequenz heißt dies: Facebook unternimmt gewaltige Anstrengungen, seinen 500+ Mio. mobilen Nutzer noch mehr Möglichkeit an die Hand zu geben, um die “Sharing Experience” möglichst lange auf der Plattform zu erfahren. Nicht zuletzt auch, weil Facebook im mobilen Bereich nicht nur (noch) schwach ist, sondern auch bisher keinen Weg gefunden hat, Werbung darin zu integrieren, welche wiederum für Marken relevant ist.

Noch ein Wort zum aktuellen Börsenkurs von Facebook: Vielleicht sollten wir uns bei seiner derzeitigen Bewertung an  Andrej Kostolany orientieren, der mit Phantasie langfristig investierte. Oder an Nico Lumma, aber der sagt ja von sich, dass er keine Ahnung habe vom Aktienmarkt :)

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  1. [...] versucht Facebook neue Einnahmequellen zu generieren. Da der Börsenstart missglückte, muss nun eine Geldquelle gefunden werden, um die Aktionäre zufriedenzustellen. Bis jetzt [...]

  2. [...] am besten bei meinem derzeitigen „Lieblingsthema“, der stärker werdenden Bedeutung visueller Kommunikation. Es war und ist GREY, das den Deutschen Webvideopreis seit seinem Bestehen unterstützt und damit [...]

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