Weniger Social Profiles sind mehr Social Web!

by Johannes on 15. Juli 2011

Gestern las ich diesen Post von Carsten “Caschy” Knobloch. Jetzt muss man dazu vielleicht ein zwei Dinge sagen, nämlich dass “Caschy” ein Techblogger ist. Ein ziemlich erfolgreicher obendrein.

Bildnachweis: Flickr, ButchLebo

Aber und das ist für mich wichtiger: Er bloggt leidenschaftlich gerne und fragt man ihn etwas, bekommt man auch eine Antwort. Mit anderen Worten: Er ist nahbar trotz seiner vielen Leser und legt viel Wert auf Interaktion und gemeinschaftlichen Schabernack ;)

Konsolidierung: + für Facebook  & Google, – für den Rest

Gut so viel dazu. Jetzt hat Caschy geschrieben, dass er seinen Posterous Account gelöscht hat, seinen Premium-Flickr-Account auslaufen läßt und demnächst der Xing-Account dran sein wird.

Diese Entscheidung deckt sich mit dem, was ich in den letzten 2 Wochen rund um den Start von Google+ so an persönlichen Stimmen so mitbekommen habe. Google+ bekam in meinem Umfeld über den Daumen gepeilt 2/3 positive und 1/3 negative Beurteilungen. Aber und darauf will ich hinaus: Immer häufiger höre ich Stimmen wie: “Noch ein Kanal mehr, auf dem ich zum 397 mal die gleiche Meldung/Info etc. von ein und derselben Person lesen darf…”

Hat nach dieser These der Launch von Google+ bei dem einen oder anderen Social Median zur Erkenntnis geführt, daß weniger Social Profiles mehr Social Web sind? Rückzug aus peripheren Networks und Konzentration auf die eigenen Kern-Networks im Social Web?

Warum jetzt eine Konzentration auf wenige Social Profiles?

Ich habe ja keine Studie angefertig, keine Befragung durchgeführt und ausgewertet, aber subjektiv und nach ein paar Gesprächen wurde mir dies in den letzten Tagen klar. Nicht nur, dass Facebook mittlerweile ein Ökosystem erschaffen hat, welches neben nahezu 1 Mrd. Nutzern auch alles anbietet, was derzeit cool ist, nein auch Google schwingt sich auf 10 Mio. Nutzern in ein bzw. zwei Wochen. Klar, die Ökosysteme gibt es auch rund um die anderen Social Media Kanäle.

Daneben ist man aber noch auf Twitter, um schnelle kleine Botschaften zu versenden oder 140 Zeichen Dialoge zu führen, auf YouTube, um ggf. Videos zu veröffentlichen, auf Linkedin, um Business, Recruiting oder die Jobsuche voranzutreiben, auf Xing, um ähnliches zu machen, auf Tumblr, um Blogposts zu rebloggen, auf seinem eigenen Blog, um das Herzstück voranzubringen, Friendfeed, um nen aggregierten Stream zu haben und gelegentlich mal zu diskutieren. usw. Das wird einfach zuviel, wenn sie nicht miteinander verknüpft sind ;)

Ich könnte wetten, dass es vielen so ergeht: Es gibt ein Herzstück und zwei oder drei enge Begleiter, die regelmäßig Eure Aufmerksamkeit und Pflege spüren, aber je weiter man sich davon entfernt, umso seltener werden die Ausläufer gepflegt …

Der Grund für die individuelle Konzentration der Social Profiles auf wenige ist letztlich auch ein funktionaler: Facebook und Google+ können alles das (letzteres bald), was zurzeit State of the Art ist. Wozu dann noch die vielen anderen Netzwerke, auf denen sowieso nichts passiert, außer die regelmäßige Bestätigung von Kontakten…?

8 comments
Marie-Christine Schindler
Marie-Christine Schindler

Danke Johannes für diesen Beitrag und ich finde, Frank Tentler bringt es auf den Punkt: Der User ist in seiner Wahl frei. Wenn er heute sein Facebook-Profil schliesst, weil er mit Google+ eine für ihn möglicherweise überfällige Alternative erhält, dann ist das so ok. Niemand würde es ihm verwehren, seine Tageszeitung zu wechseln. Unternehmen haben diese Wahl nicht, sie müssen herausfinden, wo ihre Stakeholder sind und neu auch Google+ ins Monitoring mit einbeziehen. Für Kommunikationsberater geht das Lernen, trotz Profil-Sättigung weiter: was sind die Vorzüge von Google+, wofür eignet es sich nicht, wie laufen hier Kommunikation und Vernetzung, wie funktioniert das Monitoring und wie kann ich es für mein Unternehmen oder meine Kunden einsetzen oder warum eben auch nicht. Social Media entwickeln sich und so auch die PR im Social Web. Wie Unternehmen das Gewicht von einem Kanal zum nächsten verschieben, ohne massenweise Social Media Ruinen stehen zu lassen, wäre auch mal ein Thema für einen Beitrag, nicht wahr, Johannes?

Konstantin Guericke
Konstantin Guericke

Ich denke, die meisten Nutzer haben mit ein oder zwei Netzwerken genug, aber es gibt sicher auch kleinere Gruppen (insbesondere die ihr Business promoten), die 3-10 Netzwerke/Kanäle nutzen. Mir gefällt Google+, aber es tut nichts, was ich möchte und nicht woandern schon mache. Und Zersplitterung ist einfach zuviel Aufwand für mich persönlich. Aber es ist ja noch früh, und Google wird sicherlich Einiges investieren um die Ausprobierer bei der Stange zu halten.

frank tentler
frank tentler

Wir sollten hier von 2 Sichtweisen sprechen: Dass ich als User mich eventl für ein "Social Network" und einige wenige "Social Media Applications" entscheide, kann ich gut nachvollziehen. Aber als jemand, der mit dem und im Social Web arbeitet, ist das definitv kein Standpunkt und würde mich völlig in meiner Arbeit lähmen. Die normale Umsetzung eines Auftrags/eines Projekts ist grundsätzlich transmedial und Storytelling-basiert umgesetzt. Denn die Zielgruppe befindet sich zumeist nicht auf einer Plattform, noch ist z. B. Facebook interaktiv unbeweglicher als Twitter, Google+ aber noch zu neu für ein aktuelles Projekt jenseits des Nerd-Bewusstseins. Ebenso kann ich mit gekauften Adds bei Facebook erfolgreicher agieren, als mit einer Fan-Site, aber über Twitter viel einfacher, tiefer und schneller Informationen über Influencer verteilen.
Eine Geschichte aber über Facebook nachhaltig zu erzählen, wäre nicht möglich, alleine über Twitter wiederum zu aufwendig. Also benötige ich ein gutes CMS, dass mir viele Automatismen abnimmt und mir mehr Raum zum Storytelling gibt (z. B. Posterous, Tumblr).
Jede Geschichte beinhaltet aber unterschiedliche Medien, die wieder von den Nutzungsgewohnheiten der User abgeleitet werden müssen...
So benötigt jede "Story", jedes neue Projekt eine genau Analyse und begleitendes Monitoring, wie und wo die interaktive Zielgruppe digital kommuniziert, welche Influencer eine wichtige Schlüsselrolle spielen und welche Tools sie nutzen.

Ich würde es sehr begrüssen, wenn wir möglichst viele und unterschiedliche dieser Tools nutzen. Dann kommt es auf die transmediale Strategie und auf intelligente CMS an, damit wir nur eines zu tun haben, dass aber professionell, authentisch und glaubwürdig: kommunizieren.

Sean Kollak
Sean Kollak

Ich finde diese Entwicklung ganz spannend. Jeder merkt: Mehr geht nicht. André Vatter hat übrigens einen ähnlichen Gedanken, wo ich fast wortgenau wie du argumentiert habe. (unter Website verlinkt)
Gruß Sean

Johannes
Johannes

Hallo MC,

dank Dir für den Kommentar.

Klar ist der User frei und auch Frank ist bei seiner Wahl von Social Media Channels frei, ob nun für seine Arbeit oder sonst wie. Darum ging es mir im Grunde auch nicht, jedenfalls nicht um das Vorschreiben, wer wie viel wovon nutzen darf oder soll.

Wie gesagt, ich habe aufgrund subjektiver Eindrücke und dem Post von Caschy mir mal Gedanken gemacht und sie als These aufgeschrieben, die halt bewiesen werden muss. Was jetzt die Unternehmen oder eben auch Frank in seiner Arbeit betrifft: Sicherlich müssen sie neue Social Media Channels mit in Ihr Monitoring aufnehmen und überlegen, ob sie etwa bei g+ aktiv werden, weil sie ihre stakeholder dort vermuten.

Schließlich: Wenn Du die möglichen Social Media Ruinen von Unternehmen besprechen willst, dann kann man auch mal an die eigenen denken, die sich so mit der Zeit auftun. Letztlich müssen wir schauen wie auch im Leben, dass wir das was wir da tun, auch einigermaßen vernünftig hinkriegen und nicht halb oder so la la...

Liebe Grüße und Gruezi in die Schweiz

Johannes

Johannes
Johannes

Hallo Konstantin,

lieben Dank für Deinen Kommentar.

Google + tut nicht das was Du möchtest? Das musst Du erklären :) Denke, das man bei den Usern grdstzl. zwischen Business- und Non-Business-Usern unterscheiden sollte, wie Du es tust. Und jene die es aufgrund ihres Business machen, die nutzen es ja nicht nur, um zu promoten, sondern auch um damit zu arbeiten bzw. wie Frank meint, Storytelling zu betreiben usw.

Gegen die Zersplitterung hilft eine API sowie vernetztes Denken bei den Netzwerken, ihren Nutzern sowie den Entwicklern rund um die Networks...

Liebe Grüße

Johannes

Johannes
Johannes

Hallo Frank,

vielen Dank für diesen prägnanten und ausführlichen Kommentar!

Wie gesagt: Ich stelle hier eine These auf. Ob sie bewiesen werden kann, nun das wird man sehen. Jedenfalls beschreibst Du Deine Arbeitsweise und argumentierst klar und logisch für die vielfältige Nutzung von Social Media Channels im Rahmen dessen. Absolut nachvollziehbar.

Viele Grüße

Johannes

Johannes
Johannes

Hallo Sean,

danke für Deinen Kommentar.

Werde ich mir gleich mal anschauen. Habe mir Deinen Kommentar mal angeschaut und sehr da aber nichts von wortgenau. Denke Du meinst sinngemäß. Ja, da scheint es, dass wir in die gleiche Richtung argumentieren. Wie gesagt: Mein Post basiert auf einer These.

Viele Grüße

Johannes

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