Eine unnötige Frage.

by Christoph K. on 8. Juli 2015

Christoph KlöckerMir wurde kürzlich die Frage gestellt, ob Kreativität im Content Marketing (überhaupt) noch gefragt sei. Merkwürdig. Ich denke, die Frage sollte eher lauten: Ist Content Marketing ohne Kreativität überhaupt möglich? Wie soll Werbung, wie soll Content Marketing ohne Kreativen Input überhaupt vonstatten gehen?

Lest Ihr Bücher? Dann möchte ich Euch zwei besonders ans Herz legen. Einmal “Mein Cello und ich und unsere Begegnungen“ von Gregor Piatigorsky und von A.J. Jacobs „Britannica & ich – Von einem, der auszog, der klügste Mensch der Welt zu werden.“ Zwei Bücher, die schon auf den ersten Blick nicht die spannendsten zu sein scheinen. Piatigorsky war zwar ein begnadeter Cellist, der auf den Bühnen dieser Welt zu Hause war, während A.J. Jacobs als leitender Redakteur beim Esquire beschäftigt ist, aber… wer weiß das schon? Und wen interessiert es?

Bücher wie Welten.

Zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können, haben sich zweier Themen angenommen, die von sich aus schon eine gewisse Schwere mitbringen. Was kann ein Cellist schon für Begegnungen gehabt haben, die für mich relevant sein sollen? Dirigenten eines fernen Jahrhunderts mögen ihm auf die Füße getreten sein, aber sonst? Auch bei Jacobs stellt sich diese Frage. Die Britannica ist eine der größten Enzyklopädien der Welt, enorm trocken und voll mit unnützem Wissen. Nun, wenn man dem ersten Blick glauben will, könnte man jetzt sagen: „Gut, vorbei, keine Lust, das zu lesen.“

Doch zuweilen lohnt ein zweiter Blick. Denn beide Männer haben es auf eine unverwechselbare und erfrischende Weise verstanden, ihren „Content“ derartig mit alltäglichem zu verquicken, das es eine wahre Wonne ist. Wenn ich mich auch vorher nie für klassische Musik interessiert habe, so lerne ich doch bei der Lektüre des Büchleins unversehens und mit viel Freude eine Welt kennen, die mir bis dahin verschlossen war. Wanderungen, barfuß von Russland nach Polen, das sündhaft teure Cello notdürftig in Leinen gewickelt auf dem Rücken tragend. Der Kontrast zu den späteren Erfolgen, seine Beschreibung der Musik, die aus seinen Fingern in das Instrument floss…

 

piatigorskyEs gibt kein „Nur“

Piatigorsky war nur ein Cellist. Sicher. Aber er hat es geschafft, diese Liebe, diese Kreativität in des Texters Medium zu übertragen und seine Geschichte und die seines Cellos einer breiten Masse zugänglich gemacht. Ähnlich verhält es sich mit Jacobs. Offensichtlich journalistisch unterfordert hat er sich eines der trockensten und erschreckendsten Hobbys ausgesucht, die man sich vorstellen kann. Er hat die Britannica gelesen. Komplett. 33000 Seiten. Ein Lexikon. Uff.

Jacobs erzählt davon allerdings auf so eine unterhaltsame Art und Weise, dass man einfach nicht wegsehen kann. Kurz darauf schon ertappt man sich selbst dabei, das gelesene zu verwenden und einzusetzen, schlussendlich im Hirn sogar als nützlich abzulegen. Und wenn das lediglich bedeutet, zu wissen, dass die Briten 1797 versuchten, ihren Untertanen eine Uhrensteuer abzunehmen. Das Projekt scheiterte übrigens. Und zwar auf ganzer Linie.

britannica

Die Welt lebt einfach von der Kreativität. Ohne Kreativität kann nichts entstehen. Sie ist der Antrieb unseres Seins, wie sollte es da also möglich sein, das sie für einen Bereich wie das Content Marketing keine Geltung hätte? Jedes Gespräch, jede Geste, jede Art von Kommunikation ist von Kreativität angetrieben. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, das jeder Schritt und jeder Handschlag, den man tut, von Kreativität begleitet wird, aus ihr entspringt. Wie kombiniere ich Socken und Shirt bei kurzer Hose, wie trage ich mein Haar, welcher Lippenstift, welches Rasierwasser. Jedesmal eine Entscheidung, jedesmal eine andere. Kreativität hat uns die Anpassung geschenkt. Aber selbst ist sie die Anarchie. Wenn man das verstanden hat, erübrigt sich die Frage, ob Kreativität im Content Marketing noch gefragt ist.

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Listen first, then listen more…

by Charlotte on 18. Juni 2015

Charlotte_PrienVor einigen Wochen setzten sich 10 juniorige GREY’s zusammen mit unserem CCO Fabian an einen Tisch, um die so genannte MoCaH ins Leben zu rufen. Die “Ministry of Culture and Happiness”. Mit einer Mischung aus Tatendrang und Neugier ergriffen wir die Initiative und legten direkt los. Das erste Ziel:  Mehr Spaß soll die Arbeit hier machen. Zufriedener sollen die Kollegen sein. Austausch muss stattfinden, Wünsche endlich umgesetzt werden. Und bitteschön auch Sofaecken für alle. Ach, und Bier. Bier hilft immer.

Als die erste Meldung der formierten MoCaH rausging, dachten die meisten der Kollegen: Was wollen die nun wieder? Was soll das bringen? Zugegeben – wir hatten die ersten Wochen selbst keine genaue Vorstellung, wohin das Ganze gehen sollte. Wir nahmen die ersten Dinge halbwegs planlos in Angriff und merkten erst nach und nach, dass es um viel mehr geht, als Events und Freibier. Unser Anspruch wurde ein anderer. Und die Nachfrage der Kollegen auch. Es geht nicht nur darum, ein bisschen Farbe an die Wände zu klatschen und die Musik mal laut aufzudrehen. Es geht nicht darum, aus einem Arbeitsplatz einen Spielplatz zu machen.

Es geht immer um: Kultur. Ebenso wie Zufriedenheit ist Kultur nicht eindeutig messbar. Eine indirekte Variable, die über zig Ecken entsteht und die sich einschleicht, wenn man sie lässt.

Was schafft Kultur? Rituale und Traditionen? Sicher. Aber auch das Einbeziehen jedes Einzelnen. Das Fördern von Eigenschaften, die uns einzigartig machen. Und die Stärkung derer, die diese Kultur prägen. Wir sitzen hier am Platz der Ideen in Düsseldorf mit über 300 klugen Köpfen, die großartige Arbeit leisten. Das ist schon mal ein mächtiger Grund, um zu feiern. Das ist eine riesige Ressource, die unglaublich viel Kraft entfalten kann, wenn man sie nur lässt. Vieles liegt uns direkt zu Füßen. Hier vor Ort stecken unendlich viele Ideen in Köpfen, hier bestehen Kontakte, die riesige Dinge ermöglichen können und es herrscht eine enorme Vielfalt. Kulturell wie charakterlich.

Es gibt Kollegen, die seit über 35 Jahren bei GREY sind. Die haben Dinge gesehen und mitgeschaffen, von denen wir als Nachwuchs wahnsinnig viel lernen können. Und es gibt Kollegen, die über die verrücktesten Umwege bei GREY gelandet sind. Auch die haben Sichtweisen und Input zu liefern, der nicht minder wertvoll ist. Lebende und atmende Tutorials. Brain2Brain sozusagen. All diese Ressourcen gilt es nutzen, wenn wir als Marke und Gemeinschaft Kultur schaffen und leben wollen. Ungenutzte Energie in Erfolg umsetzen – das ist ein Ziel. Wenn wir Erfahrung und Neugier addieren, entsteht Wachstum.

islifegood

Ein weiteres Ziel ist Zufriedenheit. Es ist keine Neuigkeit, dass mit steigender Zufriedenheit der Erfolg wächst. Was aber heißt das für uns als MoCaH? Wir wollen hinschauen, hinhören und weitersagen, was bei uns ankommt. Das bedeutet auch, dass wir mitunter langjährige Prozesse und Maßgaben radikal in Frage stellen müssen. Wir sind davon überzeugt: Wenn wir die richtigen Punkte miteinander verknüpfen, dann ist der Output bedeutend größer als die Summe aller beteiligten Personen.

Denkt man in strategischer Markenführung, dann ist häufig die Rede vom Spagat zwischen Kontinuität und Zeitgeist. Für uns heißt das: Vorreiter sein. Appetit anregen und auch mal über den Tellerrand blicken. Möglichkeiten schaffen. In Zukunft wollen wir in erster Linie unsere Kultur direkt vor Ort greifbarer machen und stärken. Nicht nur unsere Arbeit bei GREY ist es wert, hochgehalten und gezeigt zu werden. Die Menschen sind es auch. Oder: Erst recht! Außerdem wollen wir dazu beitragen, dass der Platz der Ideen auch außerhalb unserer 4 Wände ein kulturstiftender Ort wird. Das kann zum Beispiel durch unsere jüngst gestarteten TTT-Events passieren. Hier wollen wir vor allem Künstlern aus der Region eine Bühne bieten, die keine große Plattenfirma hinter sich haben und gleichzeitig wertvolle Inspiration für uns schaffen. Ausstellungen von Werken Düsseldorfer Künstler werden in Kürze folgen. Nur wenn wir unsere tägliche Arbeit hin und wieder verlassen, können Ideen nachwachsen.

 

Wir freuen uns über jeden Input von außen, der uns Hinweise gibt, in welche Richtung diese Kultur wachsen soll. Und wir sind sicher – hier ist eine großartige Menge Holz vorhanden, aus dem man ganze Schlösser bauen kann.

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