“Mein Hobby (Blogging) habe ich in der Tat zum Beruf gemacht”

by Johannes on 24. Januar 2011

Viele kennen ihn. Viele lesen ihn. Und für viele ist er das Gesicht von netzwertig.com, dem bekannten Blog, das sich thematisch auf die Internet-Ökonomie konzentriert. Es berichtet rund um die Entwicklungen des Internets. Und das Gesicht hat einen Namen: Martin Weigert. Zurzeit weilt er in Thailand und normalerweise lebt er in Stockholm. Zuletzt las ich von Martin einen Post darüber, dass eine aktuelle Studie nachweist, das Social Networking das reale Leben bereichern. Zeit, Martin selbst einmal die eine oder andere Frage zu stellen…

Johannes: Hallo Martin, Du sitzt wahrscheinlich gerade in Thailand am Strand bei 28 Grad Celsius. Du scheinst dort ja eine hervorragende Anbindung ans Internet zu haben, wenn du regelmäßig auf netzwertig bloggen kannst…

Martin: Ja 28 Grad Celsius könnte stimmen. Nach fast fünf Monaten hier kann ich sagen, dass die Anbindung akzeptabel ist, aber gelegentlich zu Wünschen übrig lässt, besonders in Situationen, in denen man unter Zeitdruck ein Video streamen oder ein Skype-Interview durchführen möchte. In derartigen Momenten ist die Qualität der Verbindung stets ein Unsicherheitsfaktor, was aber auch damit zu tun hat, dass ich auf einer Insel bin, die vermutlich keine besonders dicke Leitung zum Festland hat. Dies ist aber auch das einzige Nachteil hier und ich beklage mich nicht. In einem Monat geht’s zurück nach Europa.

Johannes: Du bist auch privat im Netz unterwegs und bloggst unter Deinem Namen. Trennst Du eigentlich privat und beruflich? Geht das überhaupt oder hast Du Dein Hobby zum Beruf gemacht?

Martin: Mein Hobby (Blogging) habe ich in der Tat zum Beruf gemacht, und sicherlich ist der Übergang vom Beruflichen zum Privaten (und umgedreht) gerade in meinem Fall fließend. Letztlich versuche ich einfach, bei allem, was ich im Netz publiziere, vorher kurz darüber zu reflektieren, was die Konsequenzen sein könnten. Das funktioniert sicher nicht immer, aber häufig.

Johannes: Ihr seid stets aktuell und berichtet über neueste Trends im Netz und der Blogosphäre in und über Deutschland hinaus. Wie viele Kollegen braucht man dafür eigentlich? Und worauf konzentriert sich Euer Blogging? Gibt es Schwerpunkte?

Martin: Unser Kernteam besteht aus zwei Personen – Markus Spath, der die regelmäßigen Rubriken Linkwertig und Samstag App Fieber macht, und mir. Hinzu kommen gelegentliche Beiträge von Peter Sennhauser (Blogwerk-Chefredakteur), Andreas Göldi und Gastautoren. Themenschwerpunkte sind wie von dir erwähnt die Internetökonomie mit einem Spektrum, das vom Social Web mit all seinen Facetten über Startups bis hin zu neuen digitalen Medienformen, Geschäftsmodellen und anderen für die Evolution des Netzes relevanten Themen reicht.

Johannes: Inwiefern habt Ihr eigentlich die Agenturlandschaft auf dem Radar? Soweit ich das seit einiger Zeit beobachten kann, kaum bis gar nicht oder? Was mich natürlich interessiert ist, was Dir GREY sagt…

Martin: Korrekt, die Agenturlandschaft gehört nicht zu unseren Themengebieten. Sicherlich gibt es einzelne Parallelen zu unseren Bereichen, aber bei einem kleinen Team muss man gewisse Grenzen ziehen. Zudem ist nicht sicher, dass sich Startup-Beobachter automatisch für das Agenturgeschehen oder detaillierte Neugikeiten aus dem Socia-Media-Marketing interessieren.

Johannes: Ich habe schon bemerkt, dass netzwertig zu den bekannten Blogs in Deutschland gehört. Kannst Du unseren Lesern vielleicht kurz etwas zu seiner Reichweite sagen? Und: wird es in 2011 Neuerungen bei Euch geben? Wenn ja welche?

Martin: netzwertig.com hat mehr als 17.000 RSS-Abonnenten (für uns eine sehr wichtige Kennzahl), jeweils über 2500 Facebook-Fans und Twitter-Follower sowie an guten Tagen bis zu 10.000 Unique Visitors täglich auf dem Blog. Der Fokus liegt weiterhin auf einer aktuellen, für die Leser interessanten Berichterstattung, die nicht nur das (für die deutsche und globale Internetlandschaft zweifellos relevante) Geschehen in der US-Tech-Szene beobachtet, sondern eigene Akzente in der Themenwahl setzt. Neuerungen schließe ich nicht aus, sehe aber persönlich den Schlüssel zum Erfolg für uns in den Inhalten, die daher im Vordergrund stehen. Vergessen sollte man nicht, dass sich die Blogwerk-Blogs wie viele anderen Onlinemedien allein durch Werbung und Sponsoring finanzieren, was bekanntlich eine harte Nuss ist. Allerdings zeigen sämtliche Indikatoren nach oben, was mich für die Zukunft sehr positiv stimmt.

Johannes: Du bewegst Dich täglich im Social Web. Welche Beobachtungen machst Du dabei? Und inwiefern stellt es Deiner Meinung nach für Unternehmen auch in diesem Jahr eine Herausforderung dar, erfolgreich darin zu sein. Wobei sich die Frage anschließt, was für Dich „erfolgreich“ heißt.

Martin: Ich weiß nicht, ob sich die Frage nach dem “erfolgreich im Social Web sein” überhaupt noch stellt. Das Internet ist ein, nein DAS Massenmedium schlechthin, und zudem eines ohne die bei klassischen Medien existierende Einbahnstraße, was die Richtung der Übermittlung von Botschaften betrifft. Wenn Unternehmen dies erkannt und ihre Schlüsse gezogen haben, was dies für sie, für ihr Handeln, für ihre Leistungen und ihre Beziehungen mit Kunden und anderen Stakeholders bedeutet, dann haben sie das notwendige Rüstzeug, um das Beste daraus zu machen. Probleme, Krisen, Protestwellen etc. wird es immer geben. Wichtig ist, zu wissen, wie man sich in solchen Fällen richtig verhält.

Johannes: Zu guter Letzt mit der Bitte um eine Antwort in 140 Zeichen a la Twitter: Wenn Dich jemand fragt, was das Social Web ist, was antwortest Du ihm?

Martin: Das Internet.

Johannes: Vielen Dank Martin, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast. Es würde mich sehr freuen, Dich demnächst einmal in Düsseldorf zu treffen. Und dann gehen wir einen Espresso trinken. Oder aber eben in Berlin ;)

Martin: Jo bitteschön!

1 comments
christian
christian

Danke für das Intervwie. Toller Typ

Trackbacks

  1. [...] im Social Web, bleibt da auch noch Platz für privates Bloggen oder hast Du wie etwa Dein Kollege Martin Weigert neulich im Interview bestätigte, Dein Hobby zum Beruf [...]

  2. [...] eingeschätzt. Meist ist am Ende des Tages noch so viel Arbeit übrig, dass für regelmäßiges Bloggen kaum Zeit bliebe. Und wenn ich schon ein Blog betreibe, würde ich es auch gerne regelmäßig und [...]

  3. [...] verschwimmen Deiner beruflichen Aktivitäten im Social Web mit Deinem privaten Tun, wie es auch bei Martin Weigert der Fall [...]

  4. [...] Privat bloggst oder twitterst Du nicht, soweit ich das übersehe. Dir geht es so wie wie Martin Weigert, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat [...]

  5. [...] beherrscht. Dies zu beschreiben ist schwierig. Am besten einfach mal selber ausprobieren . Social Web heißt auf der Konferenz in Berlins Mitte aber auch und vor allem sprechen, sich austauschen, [...]

  6. [...] schrieb es letzte Woche und bleibe dabei: “Social Web heißt auf der Konferenz in Berlins Mitte aber auch und vor allem sprechen, sich austauschen, [...]

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